Domäne Schoo Fischteich GLL

Flurnamen der Klosterstandorte

 

Hinweise und Spuren auf die Klöster in Flurnamen

Von Eike Lüken

 

Gliederung

   1. Einleitung

   2. Ziel, Quellen und Vorgehensweise

   3. Analyse und Deutung der gefundenen Flurnamen

       3.1 Kloster Marienkamp

       3.2 Kloster Pansath

       3.3 Kloster Schoo ( = Oldekloster )

       3.4 Domäne Schoo ( = Kloster Schoo )

       3.5 Kloster Margens

   4. Ergebnisse

 

1. Einleitung

Meine Ausarbeitung beschäftigt sich mit der Suche nach Hinweisen und Spuren in Flurnamen bezüglich der fünf ehemaligen Klosteranlagen in der Umgebung der Stadt Esens im Rahmen des Projektes: ‚Klöster in der Samtgemeinde Esens’ am NIGE Esens. Im Mittelalter gab es im Bereich der Samtgemeinde Esens wahrscheinlich fünf Klosteranlagen: Das Kloster Marienkamp bei Esens mit den späteren Vorwerken Margens und Pansath, wahrscheinlich ursprünglich selbständige Klöster, das Kloster Schoo ( Scona mora, heute Domäne Schoo) und das Oldekloster ( heute Kloster Schoo ) Die Klöster waren offenbar ein bedeutender Faktor in der Erschließung der ostfriesischen Kulturlandschaft. Ziel des Gesamtprojektes ist es, Informationen über diese Klosteranlagen zu sammeln, zu ordnen und zu bewerten, sowie die Lokalitäten im Rahmen der Möglichkeiten zu untersuchen.

 

 

2. Ziel, Quellen und Vorgehensweise

 

Ziel meiner Arbeit ist, Informationen über die Klöster, deren Landbesitz, Ausdehnung, Gebäude und sonstige Begebenheiten mit Hilfe der Flurnamen zu erschließen.

Als Quelle dient die „Flurnamensammlung der Ostfriesischen Landschaft“ im Internet:

   http://www.geodaten-gll-oldenburg.de/service/flurnamen/index.php

Als Interpretationshilfe wurde das Buch „Flurnamenforschung – Bausteine zur Heimat- und Regionalgeschichte“ von Ulrich Scheuermann (1995) verwendet.

Meine Vorgehensweise bestand darin, zunächst die Flurnamen im Umkreis von ca. 1 km um den vermuteten ehemaligen Klosterstandort zu erfassen und nach ihrer Himmelsrichtung aufzulisten. Mit Hilfe des oben erwähnten Buches habe ich versucht, die Flurnamen bzw. deren Namensbestandteile zu deuten und daraus Erkenntnisse über die historischen Begebenheiten zu gewinnen. Im Anschluss habe ich die aussagekräftigen Flurnamen in die heutige topografische Karte übertragen und sie schriftlich interpretiert, um ein übersichtliches und erkenntnisreiches Ergebnis meiner Ausarbeitung zu erreichen. Dabei sind die Flurnamen mit Dreiecken und einer Ziffer gekennzeichnet, der ungefähre Standort des Klosters mit einer schraffierten Fläche.

 

3. Analyse und Deutung der gefundenen Flurnamen

3.1 Kloster Marienkamp

In der näheren Umgebung des ehemaligen Standortes des Klosters Marienkamp stößt man in dem Flurnamenverzeichnis auf Namen, die unmittelbar auf das Kloster hinweisen.

So tauchen direkt am ehemaligen Standort die Bezeichnungen „Hohe Kloster“ (1) und „Hinter Kloster“ (2) auf. Die Bezeichnung „Hohe Kloster“ spielt dabei auf den Klosterhügel an, der hier jedoch keinen Sturmflutschutz bieten musste, sondern eventuell nur einen optischen Zweck erfüllte ( symbolisch: Nähe zu Gott). Dieser Hügel ist heute noch gut in der Landschaft sichtbar.

Östlich des Klosters taucht der Name „Klosterkamp“ (3) auf, was darauf schließen lässt, dass diese Ländereien zum Kloster gehörten. Des weiteren stützen auch die Namen „Mörken“, „Mörkerskamp“ (beide 4), „Münkenland“ (5) und „Münkenlanderweg“ (6) die Vermutung, dass hier die Mönche Landbesitz hatten. Der Flurname „Garten“ (7) lässt vermuten, dass es hier auch einen Klostergarten gegeben haben könnte.

Die Bezeichnung „Fußsteig nach Marienkamp“ (8) zeigt, dass dort damals vielleicht ein Fußweg zwischen dem Kloster und der Stadt Esens bestand.

 

Auch südlich des Klosters tritt die Bezeichnung „Klosterkamp“ (1) auf. Die Bezeichnungen „Kloster Heidstück“ (2) sowie „Rugestück“ (Unland) (3) und „Fehnbusch“ (sumpfiges Weideland) (4) machen jedoch deutlich, dass hier die Bodenqualität schlechter gewesen sein muss.

In Bezug auf die Klostermühle stiften drei Flurnamen jedoch Verwirrung, da es nur zwei Mühlenstandorte gab. Die alte Klostermühle existierte von 1424 bis 1684, die neue Klostermühle von 1684 bis 1948. So tauchen hier die Namen „Klostermühle“ (5), „Fußsteig nach Klostermühle“ (6) und „Kloster Mölen Weg“ (7) auf.

Weiter südlich tritt der Name „Lehmkuhlen“ (8) auf, die eventuell zum Kloster gehörten, um Steine zu brennen. Da der Name allerdings erst in der Preußischen Grundsteuervermessung von 1870 erscheint, ist jedoch möglich, dass zu Zeiten des Klosters dort noch keine Lehmkuhlen existierten, In der Hannoverschen Grundsteuervermessung von 1830 wird der Namen nicht genannt..

Der Name „Klostertief“ (9) verrät, dass es schon damals einen Kanal gab. Hier taucht jedoch auch der Name „Tiggeley“ (Ziegelei) (9) auf. Da dieser Name aus den Regemortschen Karten von 1670 stammt, ist es denkbar, dass das Kloster hier eine Ziegelei betrieb und den Lehm aus diesen Lehmkuhlen entnahm.

 

Im Westen weist der Name „Alte Mühlenwarf“ (1), wie bereits angesprochen, ebenfalls auf den Standort der Klostermühle hin. Etwas nördlicher taucht jedoch „Mühlenwarf“ (2) zum dritten Mal auf. So lässt sich anhand der Flurnamen keine genaue Antwort auf den Standort der alten und der neuen Klostermühle machen.

Die Bezeichnung „An der Heide“ (3) sagt aus, dass es sich hier um sandige, unbebaute, wild wachsende Flächen handelt.

 

Nördlich des Klosters findet man auch Flurnamen, die sich auf das Kloster beziehen. So ist es denkbar, dass „Klöferstück“ (1) ein Klosterstück benennt. Die Namen „Kloster grüner Weg“ (2) und „Am kleinen Klosterweg“ (3) sprechen für einen Weg zwischen Kloster und Stadt, der aber wahrscheinlich kein Hauptweg gewesen ist.

 

3.2 Kloster Pansath

 

Direkt am ehemaligen Kloster Pansath findet man ebenfalls Flurnamen, die mit dem Kloster in Verbindung stehen.

Als Erstes fallen die eindeutigen Bezeichnungen „Kloster Pansath“ (1) und „Das große Kloster“ (2) ins Auge, aber auch „Mörken“ (3) lässt sich auf Mönch und damit auf das Kloster beziehen.

Im Gegensatz zum Kloster Marienkamp treten in der Umgebung des Klosters Pansath weniger Flurnamen auf, die mit dem Kloster im Zusammenhang stehen.

Östlich verraten die Namen „Heidelandt und Veltlandt“ (4), „Hooksheidekamp“ (5) und „Drocksheide“ (6), dass hier Unland vorherrschte.

Südlich des Klosters bin ich nur auf den Namen „Pansath“ (7) gestoßen.

Im Westen trifft man ebenfalls auf den Namen „Pansath“ (7) und auf den Namen „Münkenland“(Münke = Mönch). Außerdem erfährt man durch die häufige Endung der anderen Flurnamen auf „-kamp“, dass hier viele landwirtschaftliche Nutzflächen bestanden haben müssen, die aber eventuell auch erst nach der Klosterzeit angelegt sein können.

Wie im Süden des Klosters Marienkamp taucht auch hier der Namen â€žLehmkuhlenfeld“ (8) auf. Er lässt darauf schließen, dass auch hier Lehm von den Klosterbewohnern abgebaut wurde, um Steine zu brennen.

Wie im Süden und Westen erscheint auch nördlich des eigentlichen Klosters de Namen „Pansath“ (7).Die Namen „Heidstück“ (9) und „Unland“ (10) weisen wiederum auf schlechten Boden hin.

3.3 Kloster Schoo ( = Oldekloster )

 

Direkt am ehemaligen Standort des Oldeklosters findet man reichlich Flurnamen, die die Anwesenheit eines Klosters belegen.

„Altes Kloster“ (1), „Alter Kloster Garten“ bzw. „Alter Klostergarten“ (2), „Alte Kloster Gaste“ (3) bzw. „Alte Klostergaste“ (4) sind zu finden. Der Name „Gaste“ weist auf eine mittelalterliche Ackerfläche, die zu dem Klostergehört haben muss.

Unter den Flurnamen findet östlich des Klosters vor allem Namen, die auf die Schafhaltung hinweisen, denn man trifft auf „Schaaftrift“ ( Trift = Drift = Weg auf dem Vieh oder Schafe zur Weide getrieben, aber auch schon geweidet werden) (5) oder “Achter Neesettdreesch” (Sett = Stelle im Weideland, wo das Vieh gemolken wird oder Sitzplatz für die melkenden Personen; Dreesch = ruhender Acker, der, bevor er neu aufgebrochen wird, als Vieh- oder Schaftrift dient.) (6). Im frühen 19. Jahrhundert war diese Anlage nach der Aussage von Fridrich Arends ( 1824 ) eine zur Domäne Schoo gehörende Schafhaltung. Außerdem gibt es hier den Flurnamen “Klosterschoo” (7).

Im Süden gibt es die Bezeichnung “Altes Kloster Gut” (8) und “Keil südlich der Klostergaste” (9).

Der Name “Alter Fischteich” (10) deutet darauf hin, dass auch Kloster Schoo Fischteiche besaß.

Westlich des Klosters führt die Flurnamensammlung der Ostfriesischen Landschaft kaum Namen auf und so lässt sich hier keine Aussage machen. Dies weist eventuell darauf hin, dass dieses Land erst sehr spät kultiviert wurde.

Im Norden scheint die Situation ähnlich wie im Osten gewesen zu sein. Hier herrschten Schafweiden vor: “Wester Schooer Schafweide” (11), “Hinter Alte Settdreesch” (12), “Schafdamm” (13). Zudem findent man auch hier den Namen “Klosterschoo” außerhalb des Kartenausschnittes.

 

 

3.4 Domäne Schoo ( = Kloster Schoo )

 

Der Standort des Klosters Schoo heißt heute Domäne Schoo ( Domäne = Landesherrliches landwirtschaftliches Anwesen).

Allerdings findet man am Standort dieses Klosters nur Flurnamen, die auf eine alte Ziegelei hindeuten: „Alte Ziegelei“ (1), „Alter Ofenplatz“ (2), „Tichelleegde“ (3), „Tichelboo und Tichelleegde“ (4). An diesem Standort konnten im Rahmen einer Begehung Dachziegel, rote Bodenfliesen und Ziegelbruchstücke in Massen nachgewiesen werden.

Der Flurnamen „Fischteich“ (5), der südwestlich zu finden ist, deutet jedoch wieder auf eine Klosteranlage hin.

Da die Domäne landesherrlicher Besitz war, ist es möglich, das hier keine weiteren Flurnamen vergeben wurden.

 

3.5 Kloster Margens

 

Lage Margens zu Flurnamen

An dem vermuteten ehemaligen Standort des Klosters Margens (Groß Margens), wo von uns auch Steine und Bodenfliesen gefunden wurden, waren nur wenig Flurnamen zu finden, die auf das Kloster hindeuten könnten. Hier herrschen fast ausschließlich Bezeichnungen nach Flächengrößen vor, also nach Diemat bzw. Dimt. Diese könnten zwar bei der Aufteilung der ehemaligen Klosterflächen oder späteren Domänenflächen entstanden sein, aber diese Vermutung bleibt eine Hypothese, die ich nicht beweisen kann.

Nur weiter im Südwesten von Margens sind interessante Namen zu finden. „Kloster fünfzehn Diemat“ (1) und „Kloster fünfzehn Dimt“ (2) weisen eindeutig auf Klosterbesitz hin.

Eventuell können auch die Namen „Klookstede“ (3) bzw. „Kookstede“(4) mit dem Kloster in Verbindung gebracht werden.

Die Bezeichnungen „Pastoreienland“ (5) und „Organistenland“ (6) beziehen sich möglicherweise ebenfalls auf eine Kirche bzw. ein Kloster.

Ein indirekter Hinweis kann auch in dem Namen „Schooer Land“ (7), direkt südwestlich von Margens gelegen, verborgen sein. Von Margens gibt es keine historischen Nachrichten. Wenn es ein Kloster war, dann zu einem sehr frühen Zeitpunkt. Bei der Auflösung können die Flächen an ein anderes Kloster übertragen worden sein, und wenn Marienkamp zu diesem Zeitpunkt noch nicht bestand, kann dies durchaus Kloster Schoo gewesen sein. Den gleichen Flurnamen gibt es noch zweimal in der Gemeinde Roggenstede. Auch hier könnte es sich um abseits gelegenen Besitz ehemaligen Besitz des Klosters Schoo gehandelt haben.

 

 

4. Ergebnis

Nach der Auswertung der Flurnamen rund um die ehemaligen Klosterstandorte lässt sich sagen, dass Flurnamen oft ein Bild von früheren Begebenheiten liefern.

So lassen sich beim Kloster Marienkamp, Kloster Pansath und Kloster Schoo Aussagen über die Qualität der umliegenden Ländereien machen. Außerdem erfährt man aus den Flurnamen Hinweise auf die Mühlenstandorte beim Kloster Marienkamp und man erhält die Vermutung, dass das Kloster über eine Ziegelei und Lehmkuhlen verfügte. Auch über Wege zwischen dem Kloster und anderen Orten werden Angaben gemacht.

Auch in der Nähe vom Kloster Pansath tauchen Lehmkuhlen auf.

Die Untersuchung der Flurnamen beim Kloster Schoo und beim Oldekloster decken auf, dass die Klosterbewohner eventuell Fischteiche besaßen und nutzten.

Um die Existenz und die Lage des Klosters Margens zu beweisen, helfen die gefundenen Flurnamen auch weiter.

 

Flurnamen sind also Zeugnisse der Vergangenheit, die entschlüsselt werden müssen und dann wertvolle Informationen preisgeben können.

 

Anmerkung: Mit Hilfe einer Suchmaschine auf der angegeben Internetseite kann jeder selbst ostfrieslandweit auf die Suche nach Klosterstandorten gehen. Wenn man die hier genannten typischen Flurnamen eingibt, werden alle Flurstücke dieses Namens in Ostfriesland aufgezeigt.

 

 

Bericht Domäne Schoo 13.03.07  (Fischteich)

Nördlich der Domäne Schoo östlich des Zufahrtsweges zur Domäne erscheint im ostfriesischen Flurnamenverzeichnis der Name „Fischteich“. Der Name erscheint in der 1830 in der Hannoverschen Grundsteuervermessung.

 

Eine Ortsbegehung am 13.3.07 zeigt deutlich eine künstlich ausgehobene Mulde, die an der Ostseite und an der Westseite von etwa 2 m hohen Erdwällen begleitet wird, wahrscheinlich der Aushub der Mulde. Beide Wälle sind unter anderem von mächtigen Eichen bestanden, die ein Alter von etwa 100 Jahren vermuten lassen. An der Nordseite sind die beiden Wälle durch einen Damm verbunden, der durch das heutige Fließgewässer durchschnitten wird. Auf der Südseite ist der Verbindungsdamm der beiden Wälle nur noch bedingt wahrnehmbar. Die Mulde wird von Süden nach Norden durch ein Fließgewässer durchschnitten.

 

Bohrungen mit dem 1-m-Bohrer in den Wällen ergaben unter einer mächtigen Humusdecke sandigen Lehm in gestörter Lagerung, in der Mulde unter etwa 50 cm humosen schluffigem Material den sandigen Lehm in ungestörter Lagerung. Es handelt sich um einen ehemaligen Fischteich, der in der Landschaft noch gut wahrnehmbar ist. Eine Altersbestimmung ist nicht möglich, eine Zuordnung zur Domäne und damit zum ehemaligen Kloster Schoo wahrscheinlich.

 

Im Gebäude der Domäne wurde dem Hinweis auf ältere Bausubstanz in der Brandmauer durch Fridrich Arends nachgegangen. Der sichtbare Bereich der Brandmauer ist gleichmäßig mit einheitlichem Ziegelmaß gemauert, in oberen Bereich sehr gut verfugt, in den unteren Metern nicht verfugt. Allerdings ist der untere mittlere Bereich der Mauer durch ein jüngeres Bauwerk verdeckt, so dass hier durchaus noch anderes Mauerwerk verborgen sein kann.

 

Im Grünland östlich und nordöstlich der neuen Gerätehalle wurde sondiert und gebohrt. Direkt östlich der Halle findet sich ein humoser Auftragshorizont von bis zu 80 cm über gelbem lehmigem Sand mit geringen Beimischungen von Ziegelgrus und Holzkohle, nordöstlich der Halle eine dichte Streu von Klosterformatziegelbruchstücken in der Grasnarbe über einer lehmigen Auffüllung.

 

Axel Heinze

 

Hinweise und Spuren auf die Klöster in Flurnamen

Bericht Domäne Schoo 13.03.07  (Flurname  Fischteich)

Domäne Schoo Fischteich